Lesementoren gesucht!

Die Fibel in der Schule war mein erstes bewusst wahrgenommenes Buch – und die dadurch erworbene Fähigkeit zu Lesen eröffnete mir eine ganz neue Welt. Meine Mutter sagte immer: „Wenn Du ein Buch vor der Nase hast, bist du nicht mehr da“. Sie hatte Recht: Ich war als Kind sozusagen live zu Besuch bei Pippi Langstrumpf in der Villa Kunterbunt, ging mit Hanni und Nanni auf ihr Internat und bangte mit Krabat bei seinen Abenteuern in der Zauberwelt – um nur einige meiner Lieblingsbücher aus Kindertagen zu nennen. Lesen ist bis heute aus meinem Alltag nicht mehr Wegzudenken. Ein gutes Buch fesselt mich so sehr, dass ich über Stunden nicht ansprechbar bin und Zeit und Raum keine Rolle spielen. Gute Bücher gebe ich gern weiter, auch an meine Nachbarin, die schon lange als Lesementorin Kindern und Jugendlichen dabei hilft, das Lesen für sich zu entdecken. Für ihr Ehrenamt möchte ich heute werben.

Denn was das Lesen angeht, so zeigt die reale Bildungssituation bundesweit und regional leider alarmierende Tendenzen. Laut aktuellen Studien verfehlen etwa ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler die geforderten Mindeststandards beim Lesen. Deshalb hat die Stadtverwaltung Gifhorn im August 2026 gemeinsam mit dem engagierten Verein Lesementor Isenbüttel e.V. eine umfassende Leseförder-Initiative ins Leben. Ziel dieses wichtigen Projekts ist es, Kindern nicht nur die nötige Lesesicherheit zu vermitteln, sondern vor allem die Freude an Büchern und Geschichten zurückzubringen. Das Herzstück des neuen Maßnahmenpakets bildet das bewährte Prinzip der persönlichen 1:1-Mentoring-Beziehungen. Anstatt auf anonymen Massenunterricht zu setzen, begleiten ehrenamtliche Lesepatinnen und Lesepaten jeweils ein Kind über den Zeitraum von einem Jahr in wöchentlichen Lesestunden. Dabei investieren die freiwilligen Helferinnen und Helfer etwa eine Stunde pro Woche, um individuell auf die Bedürfnisse, Stärken und Schwächen des jeweiligen Kindes einzugehen. Diese persönliche Zuwendung schafft Vertrauen, baut Ängste ab und motiviert nachhaltig.

Der Zeitaufwand ist nicht groß: einmal wöchentlich treffen sich Mentoren mit den Schülern für eine Schulstunde zum gemeinsamen Lesen, Sprechen, Spielen und Rätseln. Wichtig sind vor Allem Ausdauer und Kontinuität, die gemeinsame Arbeit sollte mindestens über ein halbes Jahr gehen. Die Arbeit zwischen Mentoren und den Kindern soll und kann den Deutschunterricht nicht ersetzen und ist auch nicht als Nachhilfe gedacht. Sie ist selbstverständlich freiwillig und kann jederzeit von beiden Seiten beendet werden.

Ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren werden nicht allein gelassen. Sie erhalten professionelle Begleitung, können sich über die Plattform Mentor Campus.de vernetzen und an Seminaren oder Online-Schulungen teilnehmen. Wer mitmachen möchte, kann sich unter mentor-isenbuettel.de oder aber lesehelfer@stadtgifhorn.de melden.