
Mein Mann sagt, ich fange an schrullig zu werden. Kann schon sein, dass er Recht hat. Aber von Anfang an: Die Geschichte begann vorgestern beim Frühstück – nebenbei gesagt für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages. Ich lege Wert auf einen schön gedeckten Tisch und friedliche Harmonie zu Beginn des Tages. Auf einem hübschen Tablett mit diversen Marmeladen befindet sich auch einer dieser praktischen Honigbehälter, aus dem man flüssigen Honig direkt aufs frische Brötchen drücken kann. Eigentlich kaufe ich diese Form von „Honig“ nur zum Süßen von Tee… Richtigen Honig vom Imker im Glas haben wir selbstverständlich auch. Wie auch immer, mein Mann versuchte mit viel Kraft diesen Honig aus dem Plastikbehälter zu bekommen – ohne Erfolg, der Honig war zum Teil kristallisiert. Das kann vorkommen, wenn das Produkt zwar noch lange haltbar ist aber trotzdem schon einige Zeit auf dem Tablett verbracht hat. Macht das Produkt nicht schlechter, aber es kam halt nicht raus… Auch ein durchaus brutales „Erweitern“ des Ausgangs mittels verschiedener „Bohrinstrumente“ brachte keinen Erfolg. Man hätte das Ganze vielleicht erwärmen können, aber dazu hatte keiner von uns Lust. Nachdem also mein Mann verärgert aufgegeben und eine Alternative für das Brötchen gewählt hatte, übernahm die Hausfrau das Problem: Ich entdeckte die Adresse des durchaus namhaften Herstellers auf dem Behältnis und versprach ihm, einen meiner berühmten Briefe zu schreiben – es geht mir dabei ums Prinzip und letztlich ums Geld. Und das endete damit, dass er mich „schrullig“ nannte. Er formulierte das allerdings als Frage: „Wirst du jetzt etwa schrullig?“ Darüber habe ich erstmal nachgedacht und das Internet zu Rate gezogen. Dort steht: Schrullig bedeutet übersetzt so viel wie wunderlich, sonderbar, mit originellen Marotten versehen. Das Wort beschreibt angeblich Personen – oft ältere Menschen – die seltsame Angewohnheiten haben und starr oder eigensinnig daran festhalten. Ähnliche Wörter sind kauzig oder verschroben.
Sagen wir so: Wenn das Beharren auf einer gewissen Qualität, die die Werbung verspricht und die ich beim Kauf ja bezahlt habe, schrullig ist, dann bin ich das durchaus. Das von mir erworbene Produkt hatte immerhin 3,99 € gekostet. Hier dem Hersteller kund zu tun, dass das Produkt für Unmut am Frühstückstisch gesorgt hatte und das Konzept der Verpackung mindestens in unserem Fall nicht funktionierte, fand ich jetzt nicht wirklich schrullig. Kurz und gut: Ich schrieb den Brief, verpackte das Ganze und brachte es auf den Postweg – hat mich übrigens 4,19 € Porto gekostet. Dazu kommentierte mein Mann: „Hast du echt nichts anderes zu tun?“ Er glaubt – ebenso wie andere – nicht daran, dass die besagte Firma mir nun Ersatzhonig im Wert von mindestens 8,18 € zusenden wird. Im Gegenteil: Alle sind übereinstimmend der Meinung, dass es denen ziemlich egal ist, was der Kunde denkt. Ich persönlich bin dagegen sehr gespannt. Natürlich lasse ich Sie und Euch wissen, ob da noch was kommt. Und bis dahin bleibe ich erstmal schrullig.
